Légèreté ohne Schwung? Leserbriefe zum "losen Rücken"
Die Légèreté ohne Schwung? Gerd Heuschmanns Thesen in der Kritik
In unserer Ausgabe der Dressur-Studien, Ausgabe 1/2008 „Ausbildung nach Plan“, sorgte der Tierarzt Dr. Gerd Heuschmann mit einigen Thesen für reichlich Diskussionsstoff. Pferde, die im Sinne der iberisch-französischen Reitlehre ausgebildet würden, zeigten oftmals keinen Schwung, so der Veterinär. Zudem würden sie mit einem „losen Rücken“ gehen.
Der Begriff des losen Rückens wurde im vergangenen Jahrhundert von Udo Bürger geprägt. Er bezeichnete den losen Rücken allerdings als unerwünscht. Anders dagegen Gerd Heuschmann: Der lose Rücken schade dem Pferd nicht - er sei aber auch kein getragener Rücken. Offenbar, so seine Vermutung, würde bei der iberisch-französischen Reitweise der Schwung eine geringere Rolle spielen: „Hier werden die Pferde ohne Schwung gearbeitet, er ist nicht erwünscht und vielleicht auch einfach nicht Ziel der Ausbildung.“ Als Paradebeispiel nannte Gerd Heuschmann in diesem Zusammenhang den portugiesischen Reitmeister Nuno Oliveira. Die Dressur-Studien befragten dazu Vertreter der iberisch-französischen Reitweise bis hin zur Spanischen Hofreitschule - wir wollten wissen, was sie von dieser These halten - nachlesbar sind diese Interviews in unserem Heft 2/2008: Schwung und Verstärkungen, Sie können es hier direkt bestellen.
Nuno Oliveira formulierte seine Meinung zum Schwung so:
„Schwung heißt, das Pferd in dem Rahmen zu haben, den Sie haben wollen, und dass es in jedem Augenblick dieselbe Energie zeigt, in der Haltung, die Sie wollen, ohne Unterstützung durch Hilfen, so lange wie möglich. Schwung ist nicht, was viele Menschen glauben und predigen. Das Pferd in die Anlehnung treiben, und das Pferd wird rund, dynamisch, und das ist alles? Ein Zeichen von Schwung ist ein ruhiger Kopf. Spektakuläre Bewegung und Zwang - der Unverständige sagt, dass das Pferd vorwärts geht. Ein Pferd, das Schwung hat und seine Hinterhand engagiert, findet die Anlehnung selbst. Sie verlieren den Schwung, weil sich Ihr Körper mehr bewegt als der des Pferdes.“ (Entnommen aus dem Buch: „Zu Hause bei Nuno Oliveira - Momente und Ansichten aus dem täglichen Training“ von Eleanor Russel, Olms Verlag 2007)
Wir baten um Ihre Meinung zu diesem Thema. Die Leserbriefe konnten wir in unserem Heft leider alle nur stark gekürzt abdrucken, deswegen haben Sie hier die Möglichkeit die Leserbriefe in Ihrer ganzen Länge - ungekürzt - nachzulesen.
Leserbrief von Michael Putz und Prof. Dr. Ellen Kienzle
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