Auf dem richtigen Sand gebaut - Longierhallen und Roundpens

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Auf dem richtigen Sand gebaut – Longierhallen und Roundpens

Ob Longierhalle oder Roundpen: Hier dreht ein Pferd nach dem anderen seine Runden, der Hufschlag gräbt sich immer tiefer ein und Sandberge türmen sich an der Wand. Damit der Untergrund nicht zur Gefahr für die Pferdebeine wird und viele Jahre nutzbar bleibt, muss er sorgfältig geplant und gut gepflegt werden.

Vor dem Bau eines Longierzirkels oder Roundpens sind grundlegende Fragen zu klären: Braucht der Zirkel ein Dach? Soll eine Führanlage untergebracht werden? Wie sieht der Unterboden aus? Was verlangen die Bauvorschriften? Und vor allem: Welcher Boden soll hinein? Denn heute steht eine Vielfalt unterschiedlichster Böden zur Wahl. Noch vor einigen Jahren war es üblich, den Boden aus lehmhaltigen Sand und Holzspänen zu mischen. Heute werden dem Sand Vliesfetzen oder Mikrofasern zugesetzt oder der Boden besteht ganz und gar aus Teppichstreifen oder Gummischnipseln. Die Entscheidung hängt nicht nur vom persönlichen Geschmack und Geldbeutel ab. Auch die Frage des Recyclings will bedacht werden – kein Hallenboden hält ewig. Und schließlich darf der Boden weder zu tief noch zu hart sein, damit die Pferdebeine keinen Schaden davontragen.

Professor Thomas Heinrich und Diplom-Ingenieurin Petra Große Erdmann vom Fachbereich Landschaftsarchitektur der Fachhochschule Osnabrück arbeiten gerade an einem Forschungsprojekt über Außenreitplätze. Große Erdmann ist überzeugt: „Ein guter oder schlechter Boden kann großen Einfluss auf die Gesunderhaltung der Pferdebeine haben. Der Veterinär Dr. Levy hat nachgewiesen, dass bei einem schrägen Auffußen, wie es beim Longieren häufig der Fall ist, der Boden am geeignetsten ist, der den Druck auf die Gelenke lotrecht verteilt.  Das gelingt am besten auf einem leicht nachgiebigen Boden. Ist er zu weich, kommt es zu Fehlbelastungen.“

Auf einem Außenplatz muss der Boden zudem das überschüssige Regenwasser abfließen lassen. Feinanteile im Boden können dies sehr einschränken. Unter den Huftritten werden jedoch die Sandkörner zerrieben. Die Folge: Der Boden verschlämmt. „Die Bodenverdichtung wird in Longierzirkeln oder Roundpens durch die intensive Nutzung auf dem Hufschlag noch gravierender sein“, vermutet die Diplom-Ingenieurin. Ein sehr harter, reiner Quarzsand dürfte weniger unter dieser Kornzertrümmerung leiden. Allerdings kann er sehr „rollig“ sein – daher werden Beimischungen nötig, um die Trittsicherheit zu erhöhen. Zuschlagstoffe wie Holzspäne, Stoffgewebe oder Gummischnipsel können die Bodenqualität deutlich verbessern, meint Petra Große Erdmann: „Wir nehmen an, dass der Boden dadurch mehr Wasser speichern kann, mehr Trittsicherheit gibt und weniger zum Wasseranstau neigt.“ So gesehen ist das althergebrachte und noch oft verwendete Sand-Späne-Gemisch gar nicht schlecht. Doch dieser Boden muss alle drei bis vier Jahre erneuert oder aufgefüllt werden, weiß Ekhard Dettmeier, Chef der Firma Fair Ground: „Die Holzspäne sind organische Masse, die verrottet und den Boden kaputt macht.“ Auch wenn man abäppelt und den Boden regelmäßig abzieht, lässt sich dieser Prozess nicht stoppen. Die Folge, so Dettmeier: „Unten wird der Boden hart, die oberen drei Zentimeter werden mullig.“ Wenn dann zu viel gewässert wird, bildet sich auf dem harten Boden eine glatte Schmierschicht. Diese Böden müssen regelmäßig durchgegrubbert werden, um sie locker zu halten. Er selbst rät heute seinen Kunden zu einem sauberen Sand ohne Lehmanteil, der mit Vlieshäckseln aus Kunstfaser versetzt wird. Größter Vorteil: weniger organische Masse, die verrotten könnte – der Boden hat eine längere Lebensdauer. „Wir gehen davon aus, dass diese neuen Böden doppelt so lange funktionsfähig bleiben wie klassische Sand-Späne-Böden. Konkret: Ein Sand-Vlies-Boden wird sicherlich sechs bis acht Jahre seine Funktion erfüllen.“ Mit entscheidend für die Pflege ist der Unterboden, betont der Hallenbodenfachmann: „Gerade bei Longierzirkeln ist ein ebener und verfestigter Unterboden wichtig. Nur so kann ich erkennen, wo zu wenig oder zu viel Sand liegt – das erleichtert das richtige Abziehen.“ Der Unterboden sollte aus einer wasserunempfindlichen Schicht bestehen – Dettmeier empfiehlt Brechsand oder Ziegelrecycling in einer sehr feinen Körnung von null bis acht Millimeter. Je nach Untergrund kann diese Schicht sechs bis zwölf Zentimeter dick sein. Darüber kommt die Tretschicht – in einer normalen Reitbahn rund zehn Zentimeter, im Longierzirkel oder Roundpen besser bis zu 13 Zentimetern dick. Die Tretschicht besteht vor allem aus Sand. Dieser kann je nach Region sehr unterschiedlich sein, weiß Dettmeier: „Wir bevorzugen sehr saubere Feinsande bis 0,2 Millimeter Kornstärke ohne Lehmanteil. Gibt es nur gröberen Sand, muss ich die Zuschlagstoffe prozentual erhöhen, statt zwei Kilo vielleicht vier Kilo Vlies pro Quadratmeter.“ Was diese Vliesfetzen bewirken, kann jeder selbst ausprobieren, meint Dettmeier: „Wenn Sie in trockenen Sand einen Finger stecken, kommen Sie ohne Kraftaufwand zehn Zentimeter tief. Wenn Sie aber mit dem Finger auf zwei Euro-große Vliestücke treffen, wird er deutlich gebremst.“ Den Rest besorgt das Wasser, erläutert er: „Das einzige, was Sand verdichtet, ist Wasser. Das kennt jeder, der mal am Strand spazieren gegangen ist. Im trockenen Sand sinken die Füße tief ein – drei Meter weiter im nassen Sand ist kaum ein Fußabdruck zu erkennen.“ So kann man über das eingebrachte Wasser exakt bestimmen, wie stramm der Boden liegen soll. Das ist bei einem Longierzirkel oder Roundpen ohne Dach natürlich auch vom Wetter abhängig. Wichtig: Der Regen muss abfließen können, entweder oberflächlich oder durch die Tret- und Trennschicht hindurch. Ein Außenlongierplatz ist schwer zu pflegen, weiß der Bodenfachmann: „Ein Gefälle von einem Prozent, ein absolut planer Boden und tägliches Abschleppen – ist das nicht gegeben, steht in jeder Delle das Wasser.“

Soll eine überdachte Rundhalle gebaut werden, stehen vielfältige Materialien zur Wahl. Horst Apmann von Röwer & Rüb empfiehlt dafür einen Durchmesser von 15 Metern: „Das ist optimal, um auf das Pferd einzuwirken, und der Zirkel ist auch für große Pferde ausreichend.“ Wenn um den Longierzirkel herum noch eine Führanlage gebaut werden soll, sollte es ein Gesamtdurchmesser von 20 Metern sein, meint der Experte für Rundhallen: „Es ist schon ein Unterschied, ob das Pferd gelegentlich eine Stunde longiert wird oder täglich anderthalb Stunden in der Führanlage läuft.“

Die Grundkonstruktion ist eigentlich immer gleich: Bei einer 15-Meter-Rundhalle bilden 12 Träger das Gerüst, aus Stahl oder aus verleimten Holz. Vor jedem Träger wird die Wand abgeschrägt, so dass sich mit 24 Ecken eine nahezu runde Halle ergibt. Das Dach kann mit Trapezblech, Schindeln oder Ziegeln gedeckt werden. Apmann empfiehlt für Longierzirkel bis in zwei oder zweieinhalb Metern Höhe eine geschlossene Wand, darüber kann die Luft zirkulieren. In Führanlagen sollten die Pferde jedoch die Umgebung sehen können, meint er: „Da sind die Pferde nicht durch den Longenführer beschäftigt und erschrecken sich viel leichter.“ Soll in der Halle auch geritten werden, kann eine schräge Wand eingebaut werden. Für das reine Longieren wäre das eher von Nachteil, findet Apmann: „Die Pferde orientieren sich an der Wand und laufen oft an der Kante.“ Das Material der Wand sollte aus Hartholz sein, das es aushält, wenn ein übermütiger Jungspund buckelnd dagegentritt. Diese Hölzer sind auch verbissfest – wichtig, wenn die Pferde mal frei laufen dürfen. Schließlich das Tor: Leicht handhabbar sollte es sein und breit genug, damit der Schlepper hindurch passt. (sim)