Definition der Anlehnung: Reitinstitut Egon von Neindorff
Die Definition der Anlehnung:
Stefan Wachtarz, Reitinstitut Egon von Neindorff
Das von Egon von Neindorff gegründete Reitinstitut wird seit dem 1. Januar 2005 von der Egon-von-Neindorff-Stiftung weitergeführt. Egon von Neindorff hatte sich Zeit seines Lebens als Diener der klassischen Reitkunst verstanden. Bis zu seinem Tod im Mai 2004 war er als Lehrer der klasssichen Reitkunst im denkmalgeschützten Reithaus in Karlsruhe tätig. Zu den Ausbildungsmaximen von Neindorffs gehörte es, "die Bewegung des Pferdes mit der geringstnötigen Anstrengung zu kultivieren". Für die Dressur-Studien sprach Maren Jonasdofsky mit dem Geschäftsführer der von-Neindorff-Stiftung, Dr. Stefan Wachtarz.
Wie definieren Sie Anlehnung?
Anlehnung ist die gleichmäßige, weiche und elastische Verbindung zwischen Pferdemaul und Reiterhand, die sich das Pferd sucht.
Wie beurteilen Sie unter diesem Gesichtspunkt die Praxis, junge Pferde mit Hilfszügeln wie Ausbindern zu longieren oder anzureiten?
Nach neuerer Erkenntnis sucht sich das Pferd am Ausbindezügel eine ähnliche Anlehnung wie in der Reiterhand. Die gemessenen Zügelkräfte gleichen sich. Somit ist der Nachweis der alten Erkenntnis, dass der Ausbindezügel geeignet ist, das Pferd zum Abstoßen vom Gebiss und zum Nachgeben im Genick zu veranlassen, auch wissenschaftlich gelungen. Nach unserer Ansicht müssen allerdings zwei Bedingungen erfüllt sein, damit der Ausbindezügel als sinnvolle Ausbildungshilfe dienen kann: Erstens, das Pferd muß bereits in einer gewissen Balance sein, da durch diesen Zügel die Möglichkeit der Ausgleichsbewegungen des Halses eingeschränkt wird. Damit scheidet der Ausbinder als „Anreithilfe“ aus. Und zweitens, das Pferd muß – an der Longe wie unter dem Sattel – genügend von hinten nachgetrieben werden, um eine Arbeit von „vorn nach hinten“ unbedingt zu vermeiden.
Wird dies berücksichtigt, kann der Ausbinder eine wertvolle Hilfe bei der Stabilisierung der Längsachse des Pferdes sein. Wir verwenden bevorzugt Ausbindezügel ohne Gummieinlage. Bei solchen mit Gummieinlagen neigen die Pferde stärker dazu, sich auf den Zügel zu stützen. Andere Hilfszügel lehnen wir grundsätzlich ab.
„An den Zügel stellen“ ist eine Teilforderung des „an die Hilfen stellen“. Der Begriff weckt leider häufig die Assoziation, dass hierbei das Pferd mit der Hand in eine künstliche Form oder Position gebracht werden soll, was selbstverständlich abzulehnen ist. Der weiterführende Begriff der „korrekten Beizäumung“ beschreibt die komplexen Vorgänge zwischen Reiter und Pferd, besser, die dazu führen, dass das Pferd durch das Genick tritt. Und dies ist für die erwünschte Rückentätigkeit unerlässlich.
Hier geht es direkt zur Internetseite von der Egon-von-Neindorff-Stiftung
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