Der 20-Minuten-Weg von Monty Roberts
Kurz und knapp: Anreiten nach Monty Roberts
Von Claudia Sanders
Die Halle ist dunkel, in der Mitte ist eine Art Raubtierkäfig aufgebaut, Monty Roberts schaut ins Publikum. Er lächelt, erzählt, amüsant und unterhaltsam beschreibt er, wie er die „Sprache der Pferde erlernte“. Die Messehalle ist bis auf den letzten Platz ausverkauft. Was der „Pferdeflüsterer“ da in seiner Show zeigt, ist für viele unglaublich. Und das gleich aus mehreren Gründen.
Doch wer über Monty Roberts berichtet und seine Art Pferde anzureiten, darf eines nicht vergessen: Woher Monty Roberts stammt und wie er in seiner Jugend das Einreiten der Pferde in den USA erlebte: Die Mustangs werden gebrochen, fast schon im wahrsten Wortsinne, an allen vieren gefesselt, zu Boden geworfen, so lange malträtiert, bis die Tiere schwach und hilflos sind, dass sie auch den fremden Menschen auf ihren Rücken anstandslos akzeptierten. Mit diesen Bildern vor Augen suchte Monty Roberts nach einer anderen Methode, einer seiner Meinung nach pferdegerechten Art, die Tiere an Reiter und Sattel zu gewöhnen.
"Join Up"
Heute kann jeder bestaunen, wie Monty Roberts dieses Problem für sich gelöst hat. Das Pferd wird während seiner Shows, in den „Käfig“ geführt, das Publikum versinkt im Dunkel, ausschließlich der Mann in der Mitte ist für das Pferd sichtbar – die anderen Menschen nur hörbar. Roberts nähert sich seinem „Test-Kandidaten“, freundlich und bestimmt geht er auf das Pferd zu, stellt sich gleichsam vor, bevor er es durch den „Round Pen“ schickt. Roberts wartet nun auf ein Zeichen des Pferdes, dass es sich ihm „anschließt“: den Kopf senkt oder sich die Lippen leckt, Kaubewegungen macht. Sobald er diese Anzeichen wahrnimmt, holt er das Pferd wieder in die Mitte, beobachtet, ob es sich ihm anschließt, ihm also freiwillig folgt. „Join Up“ hat er diese Methode genannt.
Ist das geschehen, kommt das Satteln an die Reihe. Erst legt Monty Roberts den Sattel vor das Pferd, gibt ihm Zeit, den Gegenstand anzuschauen. Währenddessen unterhält der Pferdeflüsterer das Publikum. Nur wenige Minuten später wird der Sattel auf dem Pferderücken festgeschnallt. Roberts hat das Pferd an der Longe, wenn schließlich nach rund 20 Minuten sich erstmalig ein leichter Mann auf den Pferderücken setzt. Alles scheint unspektakulär, fast wie selbstverständlich. Wenigstens auf den ersten Blick. Denn das Pferd selbst wirkt alles andere als zufrieden, eher unsicher und verstört.
Einige Minuten kreist das Pfrd noch an der Longe von Monty Roberts, den Reiter ertragend. Schließlich darf der Vierbeiner den „Round Pen" verlassen, wird wieder seiner Besitzerin übergeben. Denn für jede Show sucht Roberts geeignete Pferde und vor jedem Auftritt beteuern die jeweiligen Besitzer, dass Roberts dieses Pferd nicht kennt, noch nie mit ihm gearbeitet hat. Der Applaus des Publikums ist fast immer stürmisch.
Kritik
Doch mittlerweile mehren sich die kritischen Stimmen zu der Ausbildungsmethode von Monty Roberts. Es werde zwar keine körperliche Gewalt angewendet, aber sei diese Arbeit in dem kleinem Round Pen nicht auch eine Form der physischen Gewalt? Ein unglaublicher Druck, ganz besonders dann, wenn er in Form einer Show vor Publikum aufgeführt wird? Sicher ist: Monty Roberts hat im Laufe der Jahre eine immense Erfahrung mit dieser Art der Ausbildung angesammelt - Erfahrungen, die ein einzelner Pferdebesitzer so nie sammeln wird und sich so auch nicht zu Nutze machen kann - selbst wenn er das wollte.
Dennoch bleiben einige Fragen offen:
Welchen Grund gibt es eigentlich, sein Pferd innerhalb von 20 Minuten an Sattelzeug und Reiter zu gewöhnen und das wohlmöglich noch vor einem großen Publikum? Warum muss man sein Pferd dieser offenbar ungewöhnlichen Methode unterziehen? Das US-Vorbild des "Brechens" eines Pferdes haben im europäischen Raum wohl die wenigsten noch vor Augen, insofern sind hier die Maßstäbe an eine Ausbildungsmethode andere.
Und: Wie entwickeln sich diese so von Roberts angerittenen Pferde weiter? Sind die Besitzer überhaupt in der Lage, das „nachmachen“ zu können?
Unbestreitbar hat der "Pferdeflüsterer" Charisma. Am Ende liegt es aber doch in der Hand des Pferdebesitzers, ob er in der Lage ist dieses "Charisma" auf sich zu übertragen.
| < Zurück | Weiter > |
|---|









