Die Sache mit den Linien
Peinlich: Falsche Zeichnungen im FEI Handbuch für Dressurichter- und andere Merkwürdigkeiten
Liebe Leserinnen und Leser, wer beurteilen will, ob ein Pferd tatsächlich einen ordentlichen Mittel- oder starken Trab zeigt, der greift bei Fotos und Zeichnungen zum Lineal. Dann werden über das jeweils diagonale Vorder- und Hinterbein Linien eingezeichnet: Einmal über den Unterarm des Vorderbeines und dann über das Röhrbein des Hinterbeines. Liegen diese beiden Linien parallel zueinander, dann ist die Reiter- und Pferdewelt in Ordnung. Ist dies nicht der Fall, kann man davon ausgehen, dass das Pferd nur die berüchtigten Spanntritte zeigt und nicht mit aufgewölbtem Rücken gearbeitet wird.
Mit diesen Linien haben wir auch in unserem aktuellen Heft gearbeitet. Unter der Überschrift "Peinlich" haben wir Zeichnungen aus dem neuen FEI-Handbuch für Richter unter die Lupe genommen und mit diesen Linien versehen. Und siehe da: Statt paralleler Linien nur Kraut und Rüben: Im obersten verbindlichen Handbuch für alle Richter werden also Abbildungen gezeigt, die alles andere als Beispielhaft sind.
Alles andere als Beispielhaft sind leider aber auch unsere eingezeichneten Linien auf den Seiten 74 und Seite 80, wo die FEI-Zeichnung zu sehen ist. Unsere Linien beim Vorderbein verlaufen über das Röhrbein, richtig wäre aber hier der Unterarm – durch Unterarm und Vorderröhre verlaufen sie nämlich nur im Moment der Streckung.
Inhaltlich ändert das freilich nichts an der Kritik an den FEI-Zeichnungen. Auch mit korrekt eingezeichneten Linien zeigen sie immer noch Pferde, die eben nicht über den Rücken gehen, sondern deren Bewegungsablauf einen verspannten, weggedrückten Rücken vermuten lässt. Zur Verdeutlichung haben wir die Zeichnung bzw. die entsprechenden Scherenschnitte hier noch einmal abgebildet – und das mit einer zweiten FEI-Zeichnung ergänzt – bei der sich das-selbe Problem noch stärker offenbart.
Hier ein der FEI-Zeichnung zum Mitteltrab nachempfundener Scherenschnitt mit korrekt eingezeichneten Linien:

Und hier der Scherenschnitt nach der FEI-Zeichnung zum starken Trab:

Wenn schon im FEI-Richterhandbuch falsche Bilder als richtig eingestuft werden, wie sollen dann erst die Richter während eines Turniers erkennen, was gut oder schlecht ist? Offenbar hat hier der Dachverband noch einiges an Nachholbedarf....in der Zwischenzeit üben wir dann noch einmal das Zeichnen von Linien...
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