Die Wiener Hofreitschule und die Eleven-Ausbildung

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Ganz nach Wiener Art

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Foto: Eingang der Spanischen Hofreitschule Wien

„Natürlich können Sie kommen, wäre Ihnen der Freitag recht?“ Ungläubig schaue ich auf den Telefonhörer. So einfach ist es also, einen Interviewtermin in der Spanischen Hofreitschule in Wien auszumachen.

Im lichtdurchfluteten Foyer der Wiener Hofreitschule drängeln sich schon am frühen Morgen Menschenmassen vor der Kasse: Ab zehn Uhr kann das Publikum der Morgenarbeit zusehen und der Andrang ist groß. Rund um den Reitersitz soll sich das Interview mit dem Bereiter Herweg Radnetter drehen. Er ist seit 28 Jahren an der Hofreitschule und hat wie alle dort als „Eleve“ angefangen. Zu den Einstellungsvoraussetzungen gehört übrigens nicht, dass der zukünftige Eleve „reiten können“ muss. „Manchmal sind die reiterliche Vorerfahrungen sogar eher hinderlich“, erklärt Radnetter. Schon eingeschliffene Sitzfehler ließen sich nur mühsam korrigieren. „Andererseits wird natürlich keiner den Weg in die Wiener Hofreitschule einschlagen, wenn er nicht schon geritten ist und sich vorstellen kann, das Reiten zum Beruf zu machen.“

Nachwuchsprobleme, so Herweg Radnetter, habe die Hofreitschule keine. Allerdings werden auch nicht allzu oft Eleven eingestellt- nur dann, wenn einer ausscheidet oder jemand im Rang aufsteigt.

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 Foto: Eleve auf dem Weg in die spanische Hofreitschule

Der Weg vom Eleven zum Bereiteranwärter und schließlich zum Bereiter ist dabei hart und lang. Nur jeder zweite Eleve bleibt in der Hofreitschule. „Manche kommen auch mit falschen Vorstellungen zu uns“, erzählt Radnetter. Reiten an der spanischen Hofreitschule ist kein Freizeitvergnügen, sondern eine Arbeit, die viel Disziplin erfordert. Der Tagesablauf ist streng eingeteilt und die Eleven lernen von der Pike auf den Umgang mit den Hengsten, ihre Pflege und Haltung.

Die ersten beiden Jahre ihrer Ausbildung verbringen die Eleven mehrheitlich an der Longe. Der richtige Reitersitz wird hier solange geübt, bis der Eleve völlig im Gleichgewicht, ohne mit den Beinen zu klammern, sich auf dem Pferd halten kann. „Wir machen natürlich nicht nur einfache Sitzlongen, das wäre auf Dauer natürlich langweilig“, räumt Radnetter ein. Tempowechsel kann der Eleve schließlich genauso an der Longe üben und sich dabei ganz auf seinen Sitz konzentrieren. Auch im dritten und vierten Ausbildungsjahr kommen die Eleven immer wieder einmal an die Longe, damit der Reitersitz korrigiert werden kann. Der häufigste Grund, warum Eleven dann doch wieder die Hofreitschule verlassen, ist dann auch der Reitersitz: „Manche Sitzfehler lassen sich kaum korrigieren“, sagt Rednetter, „wer mit der Hüfte einknickt und es selber nicht bemerkt, hat ein solches reiterliches Problem, dass auch wir es nicht beheben können.“

Ein ausführliches Interview mit dem Bereiter der spanischen Hofreitschule, Herwig Radnetter, (mit Fotos von der Sitzschulung der Eleven) zum Thema Reitersitz und Tipps, wie sich die häufigsten Sitzfehler korrigieren lassen, lesen Sie in der zweiten Printausgabe der Dressur-Studien, die am 1. Juli 2005 erschienen ist. (Text und Fotos: Claudias Sanders, Dressur-Studien 2005)