Es reicht: FEI erlaubt Schmerzmittel und Co.

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Entsetzen über „Progressive Arzneimittelliste“ der FEI

 „Clean Sport“ – Sauberer Sport lautet der Titel eines Beschlusses der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI). Doch tatsächlich wird damit eine ganze Reihe von Medikamenten erlaubt, die bisher verboten waren. Doping war gestern, heute ist es damit eine erlaubte Medikation.  Unterzeichnen Sie die Online-Petition gegen die Progressive Liste!  (Update: 01.12.2009)


 

 Für Entsetzen und Empörung sorgt die so genannte „ Progressive Liste, die die FEI während ihrer Hauptversammlung am 19. November in Kopenhagen verabschiedet hat. Auf dieser Liste werden die Medikamente festgelegt, die einem Pferd verabreicht werden dürfen, obwohl es in einer Prüfung startet. Erlaubt sind damit jetzt starke Entzündungshemmer, Schmerzmittel und die Substanz, die Springreiter Marco Kutscher seinem Pferd Cornet Oblolensky während der Olympischen Spiele verabreicht hat: Dieses Mittel darf Pferden jetzt sogar unbegrenzt gegeben werden. Trotz heftigen europäischen Widerstands gegen die Liste, unter anderem aus Deutschland, Schweden und Großbritannien, wurde das Papier mit 53 zu 48 Stimmen verabschiedet. Die Progressive Liste ist damit so weit reichend, dass sie in einigen Mitgliedsländern zu Problemen mit bestehenden Gesetzen führt. In Schweden beispielsweise würden sich Reiter strafbar machen, wenn sie die genannten Substanzen tatsächlich anwenden würden Und auch in Deutschland würde mit so einer weit reichende Regelung gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Der FN-Generalsekretär Sönke Lauterbach nannte den Beschluss ein „Desaster“ und einen „Rückschritt auf dem Weg hin zu einem sauberen Pferdesport“.  

 Für besonderen Unmut sorgte auch die Art und Weise wie der Beschluss zustande gekommen ist. Denn im Vorfeld war eine ganz andere Liste diskutiert worden. Die neue „Progressive Liste“ erhielten die Delegierten erst bei ihrer Ankunft in Kopenhagen. Vermutlich, so Bo Helander, der Präsident des schwedischen Reiterverbandes Svenska Ridsportförbundet, hätten viele Delegierte nicht bemerkt, dass es sich um eine andere Liste handele. Weiter moniert er auf der Internetseite des Verbandes www.ridesport.se, dass die Abstimmung eher an einen Staatsstreich denn an einen demokratischen Beschluss erinnere. Er glaube, dass diese Liste auf Betreiben der FEI-Präsidentin persönlich, Prinzessin Haya, erwirkt worden sei. Obwohl der Antrag gestellt worden war, die Liste erneut abzustimmen, ließ die Präsidentin das nicht zu. Begründung: Es seien schon Delegierte abgereist, deshalb könne die Abstimmung nicht erneut erfolgen.

Welche Auswirkungen der Beschluss in der Praxis haben wird, ist noch nicht ganz klar. Sicher ist nur, dass nun auch Pferde die mit Entzündungshemmern und Schmerzmitteln behandelt worden sind, an den Start gehen dürfen. Sowohl in Schweden als auch in Deutschland wird nun geprüft, inwieweit die Progressive Liste ausgesetzt werden kann, denn so Sönke Lauterbach: „Wir müssen dieses Ergebnis zunächst einmal verarbeiten. Aber eines steht jetzt schon fest: Die 'Progressive List' stellt nicht unsere Vorstellung von gesunden und unmanipulierten Pferden im Wettkampf sicher". (cls)

Update, 22.11.09: 

Mittlerweile formiert sich massiver Widerstand gegen diesen Beschluss. Am Rande des German Masters Turnier in Stuttgart lud FN-Präsident Breidow Graf zu Rantzau zum Pressegespräch: Man werde den Beschluss wegen Formfehlers anfechten. "So wird das ab 1. Januar auf jeden Fall nicht laufen", kündigte der Präsident an. Auf FN-Ebene ist eine Abspaltung von der FEI mit der Gründung eines europäischen Dachverbandes ebenso im Gespräch, wie ein Boykott der Weltreiterspiele in Kentucky im kommenden Jahr. Auch die ersten Sponsoren haben entsetzt reagiert und denken über Konsequenzen nach.

Update, 23.11.09:

Wir berichteten auch in unserem Netzwerk Fair-zum-Pferd über die Medikamentenliste der FEI. Ob man nicht eine Unterschriftenliste gegen dieses Vorhaben auf den DS-Seiten veröffentlichen könne, fragte eine FAIRlerin. Kurzes Nachdenken, einige Telefonate geführt und beschlossen, dafür eine gänzlich neue Seite einzurichten. Ohne Eigenwerbung  - um vom wichtigen Sachverhalt nicht abzulenken. Hier können Sie Ihre Stimme abgeben, wenn auch Sie gegen die "progressive Liste" sind: www.no-fei.com

26.11.09

Der Wiederstand wächst und wächst! 16 FEI -Tierärzte und Funktionäre haben an die Präsidentin der FEI, Prinzessin Haya, einen Protestbrief geschrieben. Frank Kampermann, Chef des FEI-Dressurkomitees und Organisator des CHIO in Aachen kündigte an, dass das Turnier in Aaachen auf jeden Fall nach den alten Regeln durchgeführt wird. Die Online-Petition www.no-fei.com verzeichnet nach nicht ganz drei Tagen schon über 4.000 Unterschriften gegen die "Progressive Liste".

01.12.2009

Herber Rückschlag für die Gegner der Progressiven Liste: Der amerikanische Verband spricht sich für die umstrittene Liste aus, weitere Details finden sich hier.

Die Unterschriftenliste hingegen wächst und wächst: Nach acht Tagen sind fast 8.000 Unterschriften zusammen gekommen.

Link zur Pressemitteilung der FEI, in der der Beschluss als "Meilenstein" gefeiert wird (Englisch)

Link zur Pressemitteilung der FN, die den Beschluss ablehnt.

Link zum Magazin St. Georg mit ausführlichem Bericht zum Beschluss.

Berichte auf Horses and Sports

Bericht auf der Seite der Reiter Revue.

Bericht der Cavallo


Allgemeine Infos:

Link zur Mitgliederliste der FEI, die zeigt, was es bedeuten würden, wenn die Europäer tatsächlich einen eigenen Verband gründen würden.

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Kommentare  

 
0 #3 Astrid Appels 2009-11-24 20:16
Mehr information gibt es auch hier:

http://www.eurodressage.com/news/dressage/fei/2009/fei-newdopinglists4.html
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+2 #2 a.raaber 2009-11-23 12:16
Es kann doch nicht sein, daß nur noch Geld die Welt regiert. Welche Lobby hat hier die Fäden gezogen?
Ebenso wenig wie ein kranker Mensch, (der medikamentös behandelt werden muß) Leistungssport betreiben solle, dürfte dies unserem Partner Pferd zugemutet werden ... wo bleibt der Respekt und die Liebe zum Pferd?
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+3 #1 Kirstin Meyer-Elsner 2009-11-22 14:22
Hier hilft jetzt wirklich nur noch massiver Widerstand aller integrer Reiter und Reiterinnen. Also keine Turnierbesuche oder Übertragungen im Fernsehen mehr ansehen. Boykott aller Sponsoren, die auch weiterhin im Pferdesport werben und weg mit Frau Haya. So eine Person hat in dieser Position nichts zu suchen. Wird die FN in dieser Sache nicht massiv etwas unternehmen, werden meine Freunde und ich auf jeden Fall aus der FN austreten. Jetzt reicht es wirklich.
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