Fotostrecke: Der unkonventionelle Weg

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Gewöhnung an das Reitergewicht -

die unkonventionelle und heikle Methode

 Von Claudia Sanders

Wir haben in der Redaktion ziemlich lange und heftig debattiert, ob wir diese Fotostrecke überhaupt veröffentlichen sollen. Denn auf diesen Bildern ist genau genommen zu sehen, wie man es NICHT machen sollte. Wir haben uns dennoch entschlossen, diese Fotos zu veröffentlichen, weil wir wissen, dass viele Freizeitreiter so vorgehen. Aber: DIESE METHODE IST NICHT EMPFEHLENSWERT!   

Die folgenden Bilder stammen aus dem Jahr 2003, als der damals dreijährige Orgulloso lernte, dass Menschen ihn nicht nur füttern und kraulen, sondern auch auf ihm sitzen können. Die Fotos sind aufgenommen worden, als er zum zweiten Mal die Reiterin ertragen musste, aber sich erstmalig mit der Reiterin auf dem Rücken bewegen sollte.

Grundsätzlich lässt sich schon einmal sagen: Wer sein Pferd an das Reitergewicht gewöhnt und KEINE Kappe und Sicherheitsweste trägt, handelt leichtsinnig und darf bei einem Umfall nicht damit rechnen, dass seine Versicherung anstandslos zahlt.

Der hier gezeigte Weg birgt viele Risiken und Fehler: Wenn ein Nicht-Profi ein Pferd anreitet, bzw. wie hier an das Reitergewicht gewöhnt, fehlen dem Reiter oftmals die Erfahrung, das reiterliche Können und nicht zuletzt oft auch die körperliche Fitness.

Das hier gezeigte Pferd samt seiner Besitzerin kannten sich vor dieser Gewöhnung an das Reitergewicht allerdings schon geraume Zeit: Das Pferd hatte eine Ausbildung am Boden hinter sich gebracht und genug Vertrauen zu seinem Menschen. Wer als Nicht-Profi das Wagnis eingeht, sein Pferd selber anzureiten, sollte mindestens diese beiden Faktoren gewährleisten: eine anständige Grundausbildung am Boden und ein ungetrübtes Vertrauensverhältnis zum eigenen Pferd. Und ganz wichtig: Welchen Charakter hat das Pferd? Ist es ruhig und gelassen, wie das hier gezeigte Exemplar, oder neigt es leicht zu heftigen Reaktionen? Auch dann ist nicht nur die Unterstützung eines Helfers nötig, sondern vielleicht auch die eines Profis.

Die Qualität der Fotos bitten wir zu entschuldigen - sie wurden zu einer Zeit aufgenommen, als noch keiner von uns an die Dressur-Studien gedacht hat.

 

Die Vorbereitung

Bevor Orgulloso seine Reiterin sitzend auf seinem Rücken ertragen musste, kannte er es schon, dass sich Menschen über seinen Rücken legen. Auch hatte er gelernt, dass man neben einer Aufstiegshilfe still stehen muss.

 

 

 

 

Aufsteigen

 

 

Wer sich die ersten Male auf sein junges Pferd setzt, sollte einen Helfer dabei haben. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum man das Risiko eingehen sollte, dass das Pferd während des Aufsteigens plötzlich losrennt und damit schnell lernt, wie es sich seines Reiters entledigen kann bzw. ihn erst gar nicht aufsteigen lässt. Insofern hat auch dieses Bild alles andere als Vorbildcharakter. Es zeigt aber auch, was möglich ist, wenn das Pferd genügend Vertrauen hat - dennoch bleibt es eine Gratwanderung.    

Vorsichtig, ohne hektische Bewegungen, versucht die Reiterin den Pferderücken zu erklimmen. Auf dem Rücken sitzend sollte man sich im ersten Moment auch nicht in voller Größe aufrichten, um das Pferd nicht zu erschrecken, sondern das Pferd erst einmal loben, ihm klar machen, dass man nur die Position gewechselt hat.

 

Interesse am Schuh 

 

 

Was auf den ersten Blick noch niedlich wirkt, wie das Pferd interessiert den Schuh der Reiterin untersucht, kann sich schnell in eine Unart ausweiten: Wer feststellen muss, dass sein Pferd zu Beginn erst immer einmal die Schuhe anknabbern möchte, wird sich über die Nachlässigkeit ziemlich ärgern, dies beim ersten Mal nicht unterbunden zu haben. Aber immerhin: Es lässt sich kaum behaupten, dass das Pferd tatsächlich durch den Passagier auf seinem Rücken irritiert oder gar verunsichert gewesen ist.

Aus Sicherheitsgründen ist der Gebrauch eines Sattels ebenso wie passendes Schuhwerk und eine Reitkappe anzuraten.

 

Das zweite Aufsitzen

 

 

Für Orgulloso war dieses zweite Aufsitzen eher Spielerei. Während die Reiterin angespannt auf ihm sitzt, hat längst schon etwas ganz anderes in einiger Entfernung seine Aufmerksamkeit gefesselt.

 

 

 

 

 

Die ersten Schritte

 

 

Die ersten Schritte mit der Reiterin oben drauf. Gut, wer seinem Pferd schon einen Stimmbefehl beigebracht hat, auf Grund dessen es sich in Bewegung setzt. Denn die vorwärtstreibenden Hilfen der Schenkel sagen dem jungen Pferd noch nichts. Wer diese Stimmbefehle vorher nicht trainiert hat, braucht unbedingt einen Helfer, der beispielsweise die vorwärtstreibende Hilfe vom Boden aus übernehmen kann - indem er das Pferd einfach führt. Doch auch, wenn die Stimmbefehle bekannt sind: Ein Helfer vermittelt auf jeden Fall zusätzliche Sicherheit - für Reiter und Pferd.

 

Halt!

 

 

Ähnlich wichtig ist ein Stimmkomando, das den Haltbefehl deutlich macht. Denn ohne den Helfer am Boden wird ein junges Pferd kaum verstehen, was der Reiter da oben alles anstellt - und das nur, damit es anhält. Man beachte die Hinterbeine des Pferdes und seine Versuche, irgendwie im Gleichgewicht zu bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

Gleichgewicht finden

 

 

Orgulloso sucht krampfhaft nach seinem Gleichgewicht - ganz schön schwierig, wenn man plötzlich einen Menschen auf seinem Rücken hat. Insofern ist es unwahrscheinlich, dass ein junges Pferd bei der Gewöhnung an das Reitergewicht wüste Bocksprünge vollführt. In der Regel ist das Pferd so sehr damit beschäftigt, wieder ins Gleichgewicht zu kommen, dass es sich solche Dinge erst einmal erspart. Es sei denn, der Reiter geht so ungeschickt vor, dass das Pferd nur eines möchte: flüchten. Oder aber das Pferd ist vom Temperament her entsprechend sensibel.

 

Das Gewöhnen an das Reitergewicht, ist insgesamt betrachtet, bei einem Pferd mit einem guten Nervenkostüm und entsprechender Vorarbeit am Boden übrigens eher noch die kleinste Aufgabe, was das "Anreiten" angeht. Spannend wird es dann, wenn sich das Pferd ausbalancieren kann und das Reiten beginnt.

 

Nachtrag im Jahr 2008:

Die Bilder stammen aus dem Sommer 2003. Bei heutiger Betrachtung sträubt sich mir geradezu das Fell: Diese Art des Vorgehens beinhaltet so viele Gefahrenquelle, dass es nur Orgus alias Mr.P.´s sonnigem Gemüt zu verdanken ist, dass keiner von uns da einen bleibenden Schaden davon getragen hat.