Kai Kreling: Zahnprobleme bei Pferden

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 Buchbesprechung

Dr. med. vet. Kai Kreling: Zahnprobleme bei Pferden. Cadmos Verlag, 2002.

 


 

Zahnprobleme bei Pferden – auf den ersten Blick scheint es sich eher um ein Randthema der Pferdegesundheit zu handeln. Doch Tierarzt und Pferdedentist Dr. Kai Kreling sieht das ganz anders: Die Zähne sind für Pferde ein lebenserhaltendes Werkzeug, erklärt er gleich im Vorwort seines Buches „Zahnprobleme bei Pferden“. Auch wenn der Hungertod des eigenen Pferdes noch nicht unmittelbar bevorsteht, können Zähne vielfältigen Einfluss nehmen auf das Wohlbefinden des Pferdes und oft auch direkt auf die Reiterei. Unzufriedene Pferde, Probleme mit der Durchlässigkeit, unerklärliche Gewichtsabnahme, nachlassende Leistung, sogar Schlundverstopfung und häufige Koliken – all diese Symptome können auf Zahnprobleme hinweisen.

Grund genug, das Thema einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und das tut Kreling auf rund 120 Seiten ausgesprochen akribisch, detailreich und dabei auch für medizinische Laien gut verständlich. Zahlreiche Fotos und Zeichnungen veranschaulichen das Erklärte.

In dem umfangreichen Kapitel über Aufbau und Funktion der Pferdezähne erfährt der Leser alle Einzelheiten über das Gebiss seines Vierbeiners. Hier wird auch das Geheimnis um die zahnmedizinischen Bezeichnungen der einzelnen Zähne gelüftet. Damit kann der Pferdebesitzer bei der nächsten tierärztlichen Zahnuntersuchung auch die Fachbegriffe verstehen, von Caninus (= Hakenzahn) bis P2 (= erster Vorbackenzahn). Und wer vielleicht Zweifel hegt an dem wahren Alter seines Pferdes, kann nach Lektüre des Kapitels „Zahnaltersbestimmung“ ganz genau den Abrieb der Kauflächen und die Stellung der Schneidezähne untersuchen. Dabei bleibt Tierarzt Kreling nicht bei den Zähnen stehen, sondern beschreibt auch Lage und Funktion des Kiefergelenks, der Zunge und der Speicheldrüsen. Wichtig ist dies nicht nur in medizinischer Hinsicht – der Reiter kann hier manches lernen über die Wechselwirkung von Beizäumung und Ohrspeicheldrüse oder sich Gedanken machen über die Wirkung des Trensengebisses im Maul.

Das nächste große Kapitel listet die „Krankheiten der Zähne und Maulhöhle“ auf. Kreling erklärt, wie Haken und Kanten entstehen, warum auch Schneidezähne sich ungleichmäßig abnutzen können, dass Hengst- oder Hakenzähne auch bei Stuten vorkommen und warum Wolfszähne in den meisten Fällen entfernt werden müssen. Auch seltenere Erkrankungen wie Entzündungen des Zahnfleisches, Tumore in der Maulhöhle oder ein gelähmter Gesichtsnerv werden genau erklärt.

Besonders hilfreich ist das Kapitel über die Untersuchung der Zähne. Hier erfährt der Leser, was alles zu einer guten Zahnuntersuchung gehört: Mit einem kurzen Blick in die Maulhöhle oder dem Abfingern der Backenzähne ist es jedenfalls nicht getan. Sogar die Instrumente des Pferdezahnarztes stellt Kreling in Wort und Bild vor. In diesem Zusammenhang kommt auch die alternative Medizin nicht zu kurz: Gastautorin und Tierärztin Sabine Gajdoss stellt einige Möglichkeiten vor, von der Akupressur bis zu Bachblüten.

Natürlich plädiert Kreling für die regelmäßige Zahnuntersuchung beim Pferd. Und er macht das plausibel, wenn er ausführlich erklärt, in welchem Alter welche Zahnprobleme auftreten können - vom Absetzer bis zum Pferde-Opa. Zu guter Letzt hängt Kreling noch eine Liste an, nach Art der Gebrauchsanweisung bei Elektrogeräten: Fehler und mögliche Ursachen. Und so erfährt der Reiter, dass häufiges Kopfschlagen beim Reiten, ständiges hinter dem Zügel Gehen oder Unwillen beim Rückwärtsrichten eben auch auf ganz bestimmte Zahnprobleme hindeuten können.

Fazit: Das Buch ist ausgesprochen hilfreich für jeden Pferdebesitzer. Kreling schreibt umfassend, gut lesbar, verständlich, und er gibt eine Menge praktischer Tipps. Nicht zuletzt ermöglicht sein Buch auch einem medizinischen Laien, eine tierärztliche Zahnuntersuchung bei seinem Pferd besser zu beurteilen. (sim)

Dr. med. vet. Kai Kreling: Zahnprobleme bei Pferden. Cadmos Verlag, 2002, 29,90 Euro

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