Leser-Erfahrungen beim Anreiten
Mit Ruhe und Bedacht:
Erfahrungen beim Anreiten
Wir wollten es von Ihnen wissen: Wie haben Sie ihr Pferd angeritten? Mit Profi oder ohne? Welche Methode hat sich bewährt?
Wir freuen uns über weitere Erfahrungsberichte,
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Ich habe mein Pferd mit doppelt gebrochenem Dutton Bit und Kappzaum eingeritten. Anfangs hatte ich einen Westernsattel, den ich wegen seiner breiten Auflagefläche für das Pferd und dem sicheren Sitz für mich sehr geschätzt habe. Meiner Meinung nach ist es gut, mit dem jungen Pferd im Viereck erst mal "Gas geben" und "Bremsen" zu üben. Das Ganze erst an der Hand und dann unter dem Reiter. Klappt das im Schritt und im Trab, gehe ich mit einem zuverlässigen Begleitpferd im Schritt ins Gelände. Das junge Pferd übernimmt meist die relaxte Haltung des Begleitpferdes und trainiert seine Muskulatur gut im Schritt. Klappt das einige Zeit gut und fühlt sich der Reiter mit dem jungen Pferd sicher, kann man es mit ein wenig Trab versuchen. Ich bevorzuge dabei mit dem Jungen hinter dem älteren Pferd zu reiten. Das bietet dem jungen Pferd Abwechslung und gibt ihm Vertrauen in seinen Reiter.

Luna, unsere 3 1/2 jährige Andalusierstute, wird zur Zeit angeritten. Vorausgegangen ist dem ersten "Aufsitzen" viel Longen- und Bodenarbeit. Sie hat gelernt, tief unter ihren Schwerpunkt zu treten, Last auf der Hinterhand aufzunehmen und sich vorwärts-abwärts zu strecken. Die Stimmkommandos sitzen sehr gut, was mir später auch aus dem Sattel sehr zur Hilfe kommen
würde, wie ich erfuhr. Mit einer leichten Person übten wir das Auf- und Absteigen, so dass es für Luna schnell zur Routine wurde. Ich als Bezugsperson führte sie mit einem Reiter sowohl im Schritt als auch im Trab. Alles verlief ohne Probleme. Nach diesen gelegentlichen "Ritten" lies ich die Leine nun auch ein wenig lockerer und longierte sie mit Reiter im Sattel. Der Reiter nahm keinerlei Einfluss auf die Zügel, nur die Beinhilfen zum Antreten und Antraben bauten wir langsam mit ein. Da dies alles kein großes Problem darstellte, stieg ich selber in den Sattel und ließ Luna große Bögen im Schritt gehen. Viel Lob und Lecker gab es für jede absolvierte Runde, wir bauten die "Bremse" ein, und hier kam mir die Stimme sehr zur Hilfe. Das einzige Hindernis, das sich zeigte war, dass Luna nicht von Anfang an begriff, wo ich plötzlich war. Sie suchte mich neben sich und trat nicht direkt an. Sie blieb oft stehen und drehte den Kopf zu mir, um mich zu suchen, dies stellte sie jedoch sehr schnell ein. Kurze Trabeinheiten folgten im leichten Sitz und am langen Zügel. Ziel meiner jetzigen Arbeit ist es, dass das Pferd lernt, schwungvoll und taktklar vorwärts zu gehen und sich freiwillig nach vorne abstreckt. Die ersten Monate werde ich kaum Einfluss auf den Kopf und dessen Stellung nehmen, da so ein junges Pferd den Kopf noch oft zum Ausbalancieren braucht. Unser erster Versuch des Angaloppierens wurde sofort erwidert, auf ein kurzes "Hopp" in Verbindung mit der Galopphilfe sprang Luna an und ließ sich mit einem kurzen "Brrrr" nach einer halben Zirkelrunde wieder in den Trab zurückholen. Natürlich gefolgt von einem Stopp, Kopf-Herum und Leckerli-Gabe. Hier zeigte sich, wie sehr sich unsere Boden- und Longenarbeit ausgezahlt hatte. Luna wird nun im Stadium des "leichten Anreitens" einmal die Woche 20 Minuten geritten, an zwei bis drei weiteren Tagen wird Boden- und Longenarbeit gemacht. Diese drei bis vier Tage sind für sie vollkommen ausreichend, da sie noch voll in der Entwicklung steckt. Da die Grundgangarten nun so gut wie programmiert sind, wird Luna über den Winter noch einmal eine Ruhepause erhalten und im nächsten Frühjahr/Sommer, wenn sie dann vierjährig ist, werden wir das "Anreiten" ausarbeiten und mit längeren und regelmäßigeren Arbeiten beginnen. Als Grundlage werden wir die Vorarbeit haben, mit der wir bereits in diesem Jahr begonnen haben.
Ich finde die Zeit des Anreitens muss immer individuell auf ein Pferd eingestellt werden. Ein genaues Alter oder ein genaues Maß der Einheiten kann man meiner Meinung nach nicht festlegen. Man muss hier individuell auf das Pferd und seine Bedürfnisse eingehen.
Gaby W./Aachen
Ich habe Garrincha 3,5-jährig bekommen. Da war er aus Portugal gerade ans Halfter und Führen gewöhnt. Da ich mir Zeit lassen wollte mit dem Anreiten, habe ich zunächst nur am Boden mit ihm gearbeitet und bin relativ schnell mit ihm zu Fuss ins Gelände gegangen. Viele, viele Stunden sind wir durch die Gegend gelaufen, so dass er praktisch an alles draussen gewöhnt war, einschließlich Bächen, Brücken, befahrenen Strassen etc. Später habe ich ihn dann an den Sattel gewöhnt und er trug ihn auch bei den Spaziergängen. Irgendwann war mein Mann mal dabei und ich bin einfach von einer Bank aus aufgestiegen, er hielt den Strick und wir maschierten weiter. Es war völlig unspektakulär und das Pferd ging, als ob es das schon ewig kannte. Danach bin ich dann immer zu Fuß von zuhause los und unterwegs einfach aufgestiegen und ein Weilchen geritten. Gab es kritische Situationen (Pferde, Monster, steile Berge) bin ich immer wieder abgestiegen, um die Sache von unten stressfrei lösen zu können. Von Anfang an war Geländereiten für uns ganz easy. Nach ein paar Wochen habe ich angefangen, ihn auch auf dem Platz zu reiten. Den ersten Galopp haben wir aber auch erst im Gelände ausprobiert. Von der Zäumung her habe ich mit Kappzaum angefangen, dann Kappzaum mit Trense und vier Zügeln. Weil mir das zuviel "Gedöns" am Kopf war, habe ich den Kappzaum ausgetauscht gegen ein hannoversches Reithalfter, dieses aber verschnallt wie ein englisches. Die Ringe konnte ich dann für die Zügel nutzen. So hatte ich für den Notfall immer noch die Möglichkeit, etwas fester ziehen zu können, ohne gleich im Maul reissen zu müssen. Praktisch habe ich es allerdings äusserst selten gebraucht. Beim Auftrensen habe ich von Anfang an darauf geachtet, dass er das Gebiss freiwillig ins Maul nimmt, anfangs unterstützt durch Leckerli. Er senkt den Kopf so, dass ich bequem auftrensen kann. Diese Art des Anreitens hat zwar etwas länger gedauert, war aber für uns beide völlig stressfrei und es hat von Seiten des Pferdes nie irgendwelche Widerstände gegeben. Ich würde das erste Anreiten niemals in "Profihände" geben - die haben einfach nicht die Zeit und die Ruhe, es in dem langsamen Tempo zu machen.
Sabine Bengtsson aus Walsrode über ihre Stute Anuja
Vielleicht vorab, ich bin reine Freizeitreiterin, 41 Jahre alt und fing mit neun Jahren in der typischen Reitschule an. Irgendwann mit 15 hatte ich die Nase voll von der Pferdehaltung in den meisten Reitschulen und der Art der Reitlehrer, ich ritt dann bei einem Trakenerzüchter seine Privatpferde im Gelände. Zwischen 20 und 28 pausierte ich wegen Studium usw., aber der Pferdevirus blieb. Mit Ende 20 begann ich mich wieder intensiv für Pferde zu interessieren, allerdings wollte ich nicht der alten Schiene fortfahren. Mich interessierte ein anderer Umgang mit Pferden, eine artgerechte Haltung und die Arbeitsreitweisen. Und bevor ich mir jemals ein eigenes Pferd anschaffen würde, wollte ich zunächst wissen, was ich wollte und was ich nicht wollte. Also machte ich sehr viele Seminare mit, bei denen es rund um das Pferd ging. Es kristallisierte sich heraus, was für mich ein lohnender Weg zusammen mit einem Pferd werden könnte und was ich auf keinen Fall wollte.
Als wir wieder nach Deutschland zurück kamen, sind wir bald nach unserer Ankunft dorthin gefahren. Sie war jetzt fast 3 Jahre alt und ich war noch entschlossener als zuvor, kein rohes Pferd zu kaufen, da ich soviel über Pferde dazu gelernt hatte in dem Jahr. Die Verantwortung war mir zu groß, und die Angst etwas zu verderben. Doch was soll all die Theorie, als ich sie wiedersah und sie mir in die Nase pustete, gab es kein Überlegen mehr. So kam ich zu einer jungen, rohen Stute, die zwar absolut artgerecht und sozialisiert aufgewachsen war, aber ansonsten keinerlei Ausbildung hatte. Durch den freundlichen, konsequenten Umgang bis dato mit ihr, war sie ein Wesen, das vollständig unbedarft war und offen für alles. Ich hatte für mich damals und auch heute noch, nur einen Wunsch, sie bis ins hohe Alter so reiten zu können, das sie gesund bleibt und ihre Persönlichkeit und Lebensfreude nicht zerstört wird. Alles andere was ein Reitpferd vielleicht lernen könnte, wie "Hohe Schule" usw - das kommt oder auch nicht.
So stand ich nun vor der verantwortungsvollen Aufgabe, dass sie ein verlässliches Reitpferd wird und dabei den tollen Charakter und ihre Persönlichkeit nicht durch ein zu schnelles oder hartes Anreiten verdorben wird.
Für mich bedeutete dies, sich ständig weiterzubilden, nicht nur zum Thema Reiten. Denn da sie von Anfang an mit dem Wallach meines Mannes und den Pferden der damaligen Vermieter bei uns am Haus gelebt hat, wollte ich auch zum Thema Haltung, Fütterung, Hufe usw. dazu lernen, um nicht dieselben Fehler zu machen, die ich in der Vergangenheit miterlebt hatte.

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