Wüstenritt in Ägypten

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Ägypten einmal anders: Walid, Samy und ihre Pferde

Von Christiane Slawik

Ich sitze überaus zufrieden mit vierbeiniger Gesellschaft am Strand: Ein edler Kopf ruht auf meiner Schulter und bläst mir warmen Atem ins Ohr - Pferdeatem wohlgemerkt!

Der spontane Trip nach Hurghada entpuppte sich als wahrer Glücksgriff. Der Hotelkatalog des Traumhotels „Grand Makadi“ sagt nichts vom Reiten, aber abends streifen neben der Anlage Reitergruppen durch die Wüste: „O je - wieder so ein paar arme Touristenpferde!“ vermute ich - hatte ich doch bereits mehrfach unbeschreibliches Pferdeelend in Ägypten gesehen. Erst am nächsten Tag begutachte ich die Vierbeiner näher und erlebe eine Überraschung: Vier Stuten mit freundlichem Blick stehen unter einem Schilfdach am Strand und beschnuppern mich vertrauensvoll. Es sind relativ kleine, sehr zierliche, arabisch geprägte und sehr freundliche Pferde, deren gerade Nasenlinien, Hufe und teilweise melonenförmige Kruppen von Berbereinflüssen zeugen.

Für ägyptische Verhältnisse waren diese sorgfältig geputzten Verleihpferde in ausgezeichnetem Zustand: Obwohl schmal in der Brust, standen sie überwiegend gut im Futter, hatten keine Verletzungen oder offene Wunden. Das Sattelzeug war extrem alt und mehrfach geflickt, aber in Ägypten ist es so gut wie unmöglich, traditionelle Reitausrüstung zu kaufen. Wer zeichnete für diese ungewöhnlich gute Pferdehaltung verantwortlich? Ein junger Mann spricht uns höflich an: „Möchten Sie reiten?“ Ich lehne dankend ab, bekomme aber eines der Pferde zum Probereiten angeboten. Die grazile Braune spricht zwar nicht unbedingt auf „klassische“ Hilfen an, erweist sich jedoch als sensibel und gutmütig zugleich. Auf „Anfrage“ reagiert sie außerordentlich spritzig und fegt mit mir durch den Sand. Amira ist nicht nur ein besonders hübsches, sondern auch noch ein gutes Pferd!

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Munter und vergnügt: Der Nachwuchs 

Bereits nach ein paar Tagen bin ich vertraut mit der Umgebung und den Gepflogenheiten der „Seahorse Riding Stables“: Schräg hinter dem Hotel haben die Brüder Al Bahrawy ihren Stall errichtet. Seit mehreren Generationen führt die Familie einen Betrieb in Kairo mit rund 40 touristisch genutzten Kamelen und Pferden sowie Einstellern. 1996 eröffneten sie ihre Dependance in Hurghada. Während Samy überwiegend Geschäftsmann ist, achtet Walid im Rahmen seiner, im Vergleich zu unserem Reitsport-Überangebot doch sehr beschränkten, Möglichkeiten, besonders auf die Gesundheit seiner geliebten Pferde. Der sympathische Ägypter beweist dabei ein ungewöhnlich verantwortungsbewusstes Händchen. Er ist ein echter Pferdemann und mit viel Herz bei der Sache: Nach jedem Ritt werden die 4- bis 15-jährigen Stuten trockengeführt, ihre Sehnen angesichts der Belastung im tiefen Sand sorgfältig untersucht. Wenn es unvernünftige oder reitunkundige Touristen etwas übertrieben haben und die Pferde nassgeschwitzt sind, stehen Walid fast die Tränen in den Augen, aber so ist leider das Verleih-Business.

Erholen können sich die Tiere aber genug und das nicht nur außerhalb der Stoss-, sprich Urlaubszeiten: Die je nach Saison zehn bis zwanzig Stuten stehen nachts zu zweit in einer der geräumigen und in diesem Land nicht selbstverständlicher Weise eingestreuten Boxen - besser leben die Zuchtpferde in den großen ägyptischen Privatgestüten auch nicht! Dreimal täglich werden sie getränkt und erhalten gleichzeitig ein überaus reichlich bemessenes Futtergemisch aus Häcksel, Mais, Pellets und Gerste. Selbst wenn einige der Tiere nach unserem Geschmack mehr „auf den Rippen“ haben könnten, leeren sie ihre stets übermäßig gefüllten Krippen trotz der Konkurrenzsituation in der Box nie vollständig. Einmal wöchentlich bringt ein Laster von den 500km entfernten Nilauen frisches Alfalfagras herbei, denn in der Wüste rund um Hurghada wächst absolut nichts. Genüsslich kauen die Vierbeiner das saftige Grün und alle Mitarbeiter achten sorgfältig darauf, dass keiner der wertvollen Halme zertreten wird. Jeder einzelne, der verloren geht, wird vom Boden aufgelesen und gewissenhaft in die Raufen zurückgelegt. Einige Stuten, wie z.B. die hagere Natascha sehen trotz allem etwas heruntergekommen aus. Walid weiß warum: „Die haben wir direkt auf den Straßen von Kairo gekauft, wo sie bereits mehrere Jahre gearbeitet haben. Leider bekommt man solche Pferde nie wieder richtig hin. Sie werden aufgrund der Strapazen den Rest ihres Lebens knochig bleiben, selbst wenn sie bei uns natürlich die gleiche Pflege erhalten wie die gut aussehenden.“

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Eine ganz andere Reiterfahrung: Im Galopp durch die Wüste 

Ein Kellner verdient in Ägypten rund 50 Euro, ein Lehrer das Doppelte. Dagegen nehmen sich die notwendigen Unterhaltskosten von etwa 80 Euro monatlich pro Pferd geradezu astronomisch aus. Noch dazu leistet man sich im „Seahorse Riding Stable“ jeden Abend den Luxus, die Tiere mit rund einem Kubikmeter Wasser zu duschen oder zumindest ihre Beine abzuspritzen. Und das hier, wo fast jeder Tropfen über weite Strecken hinweg mit Tankwagen herangefahren werden muss.

Samys ganzer Stolz steht hinten links im Stall. Lächelnd öffnet Walid die Boxentüre, gespannt blicke ich hinein. Aus dem kühlen Schatten heraus begutachtet mich ein ausdrucksvolles Auge. Ein kleine, schiefe Schnippe leuchtet im Dunkeln. Langsam tritt das rostbraune Pferd heran und steckt neugierig seinen schicken Kopf mit der üppigen, langen Mähne durch die Tür. Prinz mustert uns eingehend, bevor er seinem Harem lautstark mitteilt, dass der Stall zwar den Brüdern gehört, er aber der uneingeschränkte Chef ist.  Der selbstbewusste, glänzende Hengst hat weit über 1,60 cm Stockmaß. Er ist zum „Tanzen“ abgerichtet, piaffiert und traversiert bei Shows im „arabischen Stil“. Trotz eines Tons beim intensiveren Atmen tobt und buckelt er im Freilauf übermütig herum, steht jedoch auf Kommando beliebig lange wie ein Denkmal. Drei Stuten hat er letztes Jahr gedeckt. Budis Fohlen, die kleine Princess, ist gerade mal zwei Wochen alt und gut gelungen: Die starke Persönlichkeit ihres Vaters lacht dem Stütchen jetzt schon aus dem zierlichen Gesicht. Der übrige Nachwuchs ist ebenfalls zierlich und schmal, aber wir haben schon an den zähen und leistungsbereiten Stuten gesehen, dass sie zwar reichlich Nahrung zur Verfügung haben, sich aber trotzdem nicht ununterbrochen dafür interessieren. Die eine oder andere Maulvoll genügt ihnen völlig. Walid zeigt uns Dahab. Interessiert begutachte ich den elfengleichen Schimmel, dessen Haarkleid so fein ist, dass die dunkle Haut am ganzen Körper durchscheint. Der Kopf mit den großen Augen hat eine gerade Nasenlinie, das ganze knochentrocken gebaute Pferd ist so schmal, dass man sich kaum vorstellen kann, wie hinter dieser mickrigen Brust ein gut funktionierendes Herz und Lunge sitzen sollen. Dass dem aber so ist, beweist die Stute unter dem Sattel, denn da kommt plötzlich auch die hervorragend gewinkelte Hinterhand zum Einsatz. Welche Leistung da frei wird, muss man selber erleben, um es zu glauben - sie ist nämlich wirklich unbeschreiblich. Mehrere Kilometer exzessiven Renngalopps im Wüstensand, Düne rauf und runter quittiert Dahab nur mit einem lustvollen Schnauben. Die Nüstern sind kaum gebläht, sie drängt eher auf eine Fortsetzung des flotten Tempos. So unscheinbar müssen die wertvollen Araber im Muniqui-Typ ausgesehen haben, die Begründer der Englischen Vollblutzucht. Man könnte mit dieser wunderbaren Stute nirgendwo Staat machen und schon gar nicht irgendeinen Blumentopf bei einer Arabershow gewinnen. Aber dieses sanfte, zierliche Pferd ist in der Lage, seinen Reiter sicher durch die Wüste zu tragen und dafür sind Araber letztendlich gezüchtet worden.

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Kaum an einem anderen Ort in der Welt, sind die Galoppstrecken so lang... 

Natürlich stecke ich Walids Pferden täglich Brot und Früchte zu und schon nach drei Tagen wiehert mir die zauberhafte Amira erwartungsvoll entgegen. Wie ein Hund läuft mir die Braune mit der breiten Blesse nach und sie ist es auch, die mit Vorliebe ihren Kopf auf meiner Schulter abstützt. Egal, ob ich auf ihr,  auf der energiegeladenen Amar mit der rosa Nase, auf der  schnellen Sabrina oder der sanften Rotschimmelin Simona sitze: Alle Pferde sind selbst auf tiefem oder steinigem Boden trittsicher, stets willig und einhändig kinderleicht zu lenken. Die ungeheuere Weite der Wüste verführt zu flotten Galoppreprisen und erst beim Durchparieren ist etwas mehr Reiterfahrung gefragt: Die fast ausschließlich auf Wassertrense gezäumten Mädels würden nämlich gerne endlos weiterrennen!

Nicht nur Reiter, die sich sonst mehr für klassische Dressur interessieren, sind begeistert von der Gehfreudigkeit und dem unbändigen Vorwärtsdrang der ägyptischen Ferraris. Auch weniger versierte Reiter kommen auf ihre Kosten und behaupten, dass sie von diesen Pferden nach drei Ausritten mehr gelernt hätten, als zu Hause nach –zig Reitstunden. Nicht umsonst wurde der kleine Betrieb bei bekannten Reiterreisen Veranstaltern ins Programm aufgenommen.

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Der ganze Stolz des Besitzers: Hengst Prinz 

Schließlich kommt der Tag, an dem ich Prinz besteige- den König des Stalles. Der Hengst besticht durch sein schier unbändiges Temperament und verspricht eine ganz besondere Reiterfahrung. Schritt behagt dem Kraftpaket gar nicht und das Galopptempo, das er anschlägt, verschlägt mir den Atem. Prinz ist ein echter „Trinker der Lüfte“: „Baaasss, mein Lieber, laaangsam!“. Unwillig lässt sich der bronzene Renner abbremsen und bietet mir schließlich als Kompromiss überraschenderweise Tölt an. Na, wenn das nichts ist! Stundenlang streife ich daraufhin am hingegebenen Zügel durch die Dünen. Sein arabisches Halfter gaben mir die Brüder Al Bahrawy als Geschenk mit nach Hause - eine tolle Erinnerung. In ganz naher Zukunft eröffnen sie in Sahl Hasheesh ihre eigene kleine Reitanlage. Die luftigen Stallungen stehen schon, ebenso der Rohbau des Restaurants. Zwei Reitbahnen und direkter Zugang zum unendlichen Ausreitgelände „Wüste“ sollen für genügend Bewegungsfreiheit sorgen, den der Nachwuchs schon unbeschwert genießen darf. Ende 2007 soll das Projekt fertiggestellt sein. Ich freue mich schon darauf, denn erholt habe ich mich in diesem Urlaub perfekt. Dank Walid, Samy und ihren Pferden!              

Wer noch weitere Bilder von diesen Pferden sehen möchte, findet sie auf der Seite von Christiane Slawik, in der Galerie.

Sea Horse Riding Stable

Makadi Bay/ Sahl Hasheesh

Hurghada, Ägypten

Mobile Vorbestellung in Ägypten:

Samy Al Bahrawy: 0106103169

Walid Al Bahrawy: 0122231525

 

Zum Schluss noch eine Bitte an Sie: Englische Sättel sind in Ägypten kaum zu bekommen und unerschwinglich. Haben Sie vielleicht noch einen alten, aber funktionstüchtigen Sattel, den Sie Sammys Pferden spenden möchten? Er sollte relativ kurz, eine schmale Kammer und eine hohe Widerristfreiheit haben.  Als Dankeschön bekommen Sie von uns ein ägyptisches Showhalfter, wie das unten abgebildete (verschiedene Farben).

 

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